AUDIO - CD des Monats

Title
John Taylor: Angel of the Presence

Author
Peter Steder

Der "Engel der Gegenwart" lächelt für den Briten John Taylor kaum. Vielleicht, weil es von dem nachdenklichen Pianisten Weniges unter eigenem Namen gibt. Oft war er Sideman von Kenny Wheeler (ECM, CAM) oder spielte eine tragende Rolle bei Peter Erskine (ECM). Schon 1977 (da war er 35) zählte das Londoner Jazz Journal den Gründer des Trios Azymuth zu den "jazz musicians of world class". Meist ist seine Musik grüblerisch, wehmütig. Sie kommt aus der Stille und erfordert Stille; sie entspricht seiner alten Forderung: "Bei Jazz muss man zuhören" - und nicht, wie in den Clubs, nebenher plaudern. Da wird kein artistisches Feuerwerk entzündet, auch wenn Taylor ab und zu Fingerfertigkeit beweist. "Dry Stone", eine Art Valse triste, und "Fable" (mit rätselhaften Tonfolgen zu bizarren Akkorden) atmen Melancholie - ebenso wie "Afterthought": Hier kommt selbst mit bewegterem Tempo keine Fröhlichkeit auf. Nur "In Cologne" lässt etwas Sonne durchs Gewölk: Taylors Erfahrungen als Dozent in Köln (seit 1993) sind offenbar erfreulich. Steve Swallows und Kenny Wheelers Stücke (je zwei) passen bestens ins rundum spannende Programm. Das Zusammenspiel mit dem flexiblen Palle Danielsson (Bass) und dem fein ziselierenden, aber auch mächtig auftrumpfenden Drummer Martin France ist mustergültig, das Klangbild hochdifferenziert.